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Magdalenenschule - Förderschule Winterbach
Qualitätsentwicklung

Lehrerkollegium, Mitarbeiter und Eltern der Schule haben in gemeinsamer Arbeit ein Leitbild der Schule entwickelt, das hier in voller Länge zu lesen ist. Es ergeben sich inhaltliche Überschneidungen mit den übrigen Seiten dieser Homepage, doch manches erscheint darin auch in einem anderen Zusammenhang.

Das Leitbild ist gegliedert in die Abschnitte:

• Präambel
• Grundlagen unserer Arbeit
• Unsere pädagogischen Aufgaben
• Unsere Methoden
• Unser Umgang miteinander

Leitbild der Freien Waldorfschule Engelberg


Präambel
Die Begründung der Waldorfschule durch Rudolf Steiner im Jahre 1919 sehen wir als historischen Augenblick an. Zum ersten Mal in der neueren Geschichte wurde mit ihr eine Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche geschaffen, die frei sein will von Standes- und Klassenprivilegien, von einer Auslese nach Begabung, Weltanschauung, Rasse und Nationalität. Sie will eine „Menschenschule” sein, die für jeden jungen Menschen eine Art „Grundrecht” auf eine zwölfjährige Schulbildung einfordert. Ihrem Erziehungskonzept liegt die permanente Fragestellung zugrunde: „Was ist der Mensch, was braucht er zu seiner Entwicklung?” Die Menschenkunde Rudolf Steiners macht eine zureichende Beantwortung dieser Frage möglich und damit ein pädagogisches Handeln, das sich von vielen Denk- und Verhaltensmustern der Vergangenheit im Hinblick auf die Erziehung entschieden löst. Wir Lehrer und Erzieher der Freien Waldorfschule Engelberg sind davon überzeugt, dass Menschen, die aus einer solchen Schule hervorgehen, die Chance haben, eine künftige soziale Gemeinschaft zu gestalten, die diesen Namen verdient. Dieser Überzeugung sind auch alle diejenigen Mitarbeiter, die in Verwaltung, Geschäftsführung, Schulküche und technischer Abteilung die täglichen Voraussetzungen für die pädagogische Arbeit schaffen.

Grundlagen unserer Arbeit
Die Freie Waldorfschule Engelberg wurde 1945 auf dem damaligen Schlossgut Engelberg als Kulturzentrum auf dem Lande gegründet. Ihr lag ein religiöser, künstlerischer und – durch integrierte handwerkliche Betriebe, insbesondere der biologisch-dynamischen Landwirtschaft – auch praktischer Impuls zugrunde. Zusammen mit dem übrigen Unterricht werden durch diese Bildungselemente den heranwachsenden Menschen besondere Hilfen gegeben, sich selber zu finden. Vorbereitet wird dieser pädagogische Ansatz im Kindergarten, der seit 1970 zur Freien Waldorfschule Engelberg gehört. Die dort tätigen Erzieherinnen leisten wichtige pädagogische Basisarbeit für die Kinder im Vorschulalter. Grundlage all unserer Arbeit ist die Überzeugung, dass die Lebens- und Lerngemeinschaft von Schülern und Lehrern keine bloße Interessen- oder Dienstleistungsgemeinschaft unter Nützlichkeitserwägungen ist. Statt dessen gehen wir davon aus, dass in dieser Gemeinschaft im Grunde ein wechselseitiges Lernen und gegenseitiges Erziehen stattfindet, das für den Lehrer unter dem Grundsatz steht: Lehrer und Schüler sind werdende Menschen. Das bedeutet vor allem: Erziehung ist Selbsterziehung. Dieser schwierige innere Prozess des Lehrers kann methodisch durch den von Steiner entwickelten Schulungsweg entscheidend gefördert werden. Daraus ergibt sich eine besondere Haltung des Lehrers zum Kind und Jugendlichen: Er tritt ihnen in großer Achtung entgegen und versucht, sie in ihrer Einmaligkeit wahrzunehmen und zu fördern. Wir verstehen jedes Erziehen im Sinne von Fördern als das Beseitigen von den inneren und äußeren Hindernissen, die einer gesunden Entwicklung im Wege stehen. Auf diesem Hintergrund ist Erziehen auch immer Heilen. Leitend sind dabei die Entwicklungsgesetzmäßigkeiten, die Rudolf Steiner in seiner Menschenkunde herausgearbeitet hat. An ihnen orientieren sich Unterrichtsinhalte und -methoden. Um diese Ziele verwirklichen zu können, bedarf es aber auch der materiellen Grundlagen. Deshalb gehört es zu den Grundlagen unserer Arbeit, uns um größtmögliche finanzielle Unabhängigkeit zu bemühen. Sie verbürgt Freiheit in der pädagogischen Arbeit. Unser pädagogisches Handeln und unser soziales Miteinander sehen wir auf dem großen Hintergrund der in den Evangelien dargestellten Ideale. Im Bemühen um dieses höchste Ziel nimmt die religiöse Erziehung eine besondere Stellung im schulischen Leben ein.

Unsere pädagogischen Aufgaben
Die Freie Waldorfschule Engelberg ist eine Gesamtschule besonderer Prägung. Ihr Ziel ist es, in einer zwölfjährigen Schulzeit Schüler unterschiedlicher sozialer Herkunft und Begabung gemäß den Grundlagen der anthroposophischen Menschenkunde zu erziehen. Der im Regelschulsystem übliche jährliche Ausleseprozess findet nicht statt. Der Unterricht will breite Allgemeinbildung vermitteln und die Schüler zu lebens- und handlungsfähigen Zeitgenossen erziehen, die vor allem in der Lage sind, selbständig an den ihnen gestellten Aufgaben zu arbeiten. Die Schüler sollen ihre Schule sowohl als Übungsfeld für soziales Handeln als auch für verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur erleben und begreifen. Ebenso sollen sie auch die Schule selbst als „übende Einrichtung” erleben, die durch praktizierte Selbstverwaltung einen Beitrag zu einem freien Schulwesen im Sinne der Sozialen Dreigliederung leistet. Eine besondere Stellung nehmen hier die Eltern unserer Schüler ein: Einerseits Mitträger der wirtschaftlichen Grundlage unserer Arbeit, unterstützen sie andererseits durch ihre bewusste Entscheidung für die Pädagogik dieser Schule die Grundtendenz unserer Arbeit, ohne in ihrer persönlichen Lebensführung festgelegt zu sein. Sie können bei Aufnahmegesprächen, in Elternabenden und in Kursen Einblick in die Erziehungs- und Unterrichtsprinzipien der Waldorfpädagogik erhalten. So kann die Erziehung der Kinder zu einer gemeinsamen Aufgabe von Lehrern und Eltern werden, deren Ideal die gegenseitige Unterstützung ist. In diesem Sinne sehen wir es als gesamtgesellschaftlich wichtig an, unter allen Angehörigen der Schulgemeinschaft Konfliktbewältigung zu üben und Streitkultur zu pflegen. Der Autonomiegedanke eines freien Schulwesens fordert von den Lehrern der Freien Waldorfschule Engelberg zudem, sich aktiv an der praktischen Aus- und Weiterbildung des Lehrernachwuchses zu beteiligen. Pädagogische Arbeit ist immer auch theoretische und praktische Weiterentwicklung! Waldorfpädagogik ist dynamisch; „es gibt sie nicht als Fertigprodukt”. Im Anschluss an den zwölfjährigen Bildungsgang ermöglichen wir unseren Schülern Abschlüsse im Rahmen des staatlichen Berechtigungswesens, entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten. Darüber hinaus bemühen wir uns durch unsere Öffentlichkeitsarbeit um eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz unseres Schulprofils.

Unsere Methoden
Der Epochenunterricht (Hauptunterricht) ermöglicht tägliche Begegnung des Lehrers mit dem Schüler und für beide eine intensive Verbindung mit dem Stoff. Der rhythmische Aufbau des Hauptunterrichts ist das pädagogische Mittel, um den ganzen Menschen - sein Denken, Fühlen und Wollen - zu entwickeln. Wird der Unterricht so gestaltet, kann eine harmonische Entwicklung des Kindes und des Jugendlichen durch den Unterrichtsstoff möglich werden, ohne dass dieser zum Selbstzweck wird. Auf den gleichen Grundlagen beruhend, stützt und ergänzt der Fachunterricht den Hauptunterricht. Der bewusste Wechsel zwischen kognitiven Fächern, Bewegungsfächern, künstlerischem Tun und praktisch-handwerklicher Arbeit soll den Tag rhythmisch gliedern und gesundend auf die Entwicklung der Schüler wirken. Praktika und Projekte bilden Höhepunkte in der schulischen Arbeit jedes Schülers; sie dienen sowohl der Gemeinschaftsbildung als auch insbesondere der Weltbegegnung und damit der Selbstfindung. Jeder Unterricht birgt Erfolg und Misserfolg. Es ist innerhalb unserer Arbeit - im Sinne einer Erziehung auf der Grundlage von Liebe und Konsequenz - von grundlegender Bedeutung, auch mit Misserfolgserlebnissen konstruktiv umzugehen. Gemeinsames Lernen in der unausgelesenen Klasse soll für die Schüler zum Übungsfeld für gegenseitige Rücksicht und soziales Miteinander werden. Diese soziale Gruppengestaltung dämmt das „Ellbogenprinzip” ein. Sie darf freilich wirkliche Begabungsentfaltung (auch Entwicklung besonderer Begabungen) nicht behindern. Förderunterricht und Therapie prägen in der Unter- und Mittelstufe in besonderer Weise unser Schulprofil und verstärken den grundsätzlich präventiv-therapeutischen Ansatz aller Erziehung in der Waldorfschule. Sie bleibt dabei uneingeschränkt eine Schule, die als „Ersatzschule” (gem. Art. 7 Grundgesetz) in freier Trägerschaft der Regelschule gleichgestellt ist.

Unser Umgang miteinander
Innere Aufrichtigkeit, Achtung und Toleranz unter allen Kollegen und gegenüber Eltern und Schülern ist ein Ziel unserer Selbsterziehung. Das Kollegium der Freien Waldorfschule Engelberg bildet eine Gemeinschaft, in der alle Lehrer auf der Basis gleicher Ideale und Methoden miteinander verbunden sind. Freundschaften und Konflikte wollen wir als Chancen zur Begegnung und gegenseitigem Lernen verstehen, deren Ort das offene Gespräch ist. Das Grundprinzip von der Fruchtbarkeit des Gegensatzes soll für uns sowohl im Kollegium als auch in der Zusammenarbeit mit den Eltern erkenntnisleitend sein. Entscheidend für unsere Einstellung zur gemeinsamen Arbeit ist die Überzeugung, dass wir bei all unserm Tun Hilfe empfangen können. Diese Hilfe lässt sich mit dem Evangelien-Wort umschreiben „....wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen”. Garantierte Freiheit und Initiative des Einzelnen in seiner Arbeit ziehen in der selbstverwalteten Schule als unabwendbare Konsequenz Verantwortung und Rechenschaft gegenüber der Gemeinschaft (Kollegium, Eltern und Schüler) nach sich. Die vom Kollegium der Freien Waldorfschule Engelberg als Selbstverwaltungsgremium praktizierten Formen der Entscheidungsfindung sind für alle Beteiligten verbindlich, ebenso die auf diesem Wege gefassten Beschlüsse. Alle Prozesse, die sich innerhalb der selbstverwalteten Schule vollziehen, sollen für die Beteiligten transparent sein.

Anmerkung: Nur aus Gründen der Lesbarkeit wurde auf Formulierungen wie LehrerInnen, SchülerInnen u.ä. verzichtet.

14. März 2001

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